Mir fällt gerade auf dass ich gestern hauptsächlich auf historische Verhältnisse eingegangen bin. Was aber auch weniger schlimm ist da viele Rechte und Linke auch heute noch hauptsächlich von ihrer vergangenen Herrlichkeit schwärmen und an Konzepten der 30er-50er Jahre festhalten. Konzepte die sich heute natürlich nicht mehr gleichermaßen umsetzen lassen wie vor Jahrzehnten.
Das Schicksal der Menschheit wird nicht mehr zwischen Nato und dem nicht mehr vorhanden Ostblock ausgefochten, sondern neue, alte Kulturen drängen wieder auf die Bildfläche, wie China, Indien und der Islam.
Den Linken sind massiv die vorzeigbaren, kommunistischen Alternativen abhanden gekommen. Welcher angeblich unterdrückte und ausgebeutete Hartz4 Proletarier würde denn wirklich gerne mit einem Arbeiter im glücklichen und freien Arbeiterparadies der Volksrepublik China tauschen?
Von Arbeitern und Bauern gesprochen, nicht von Angestellten und Führungskräften.
Auch wenn man bei Cuba eher an Palmen, Salsa und dem romantisch verklärten Che Chuevara denkt, kann sich doch kaum jemand den kubanischen Sozialismus als Alternative für Deutschland vorstellen.
Der neue Held der Linken heißt jetzt Hugo Chavez, der in Venezuela den Sozialismus des 21. Jahrhunderts ausgerufen hat, aber im Prinzip auch nichts anderes macht als die durch die hohen Rohölpreise gestiegenen Gewinne aus der venezulanischen Erdölindustrie publikumswirksam an die Armen zu verteilen.
Manche Nationale Sozialisten favorisieren das nordkoreanische Modell, die Chuch`e-Ideologie, wobei doch kein Mensch der bei Verstand ist so leben möchte wie die Menschen in Nordkorea.
In Ermangelung an geeigneten Vorbildern wird von europäischen Linken gern auf das erfolgreiche China verwiesen, ohne zu erwähnen dass es sich bei der Volksrepublik China seit den Reformen nur noch dem Namen nach um ein kommunistisches Land handelt.
Heutzutage herrscht in China Konfuzianismus, Nationalismus und gnadenloser Kapitalismus. Man darf sich nicht blenden lassen durch Shanghai und Shenzen. In weiten Teilen Chinas herrscht heute Korruption, Kriminalität, extreme Umweltzerstörung und Ausbeutung der rechtlosen Arbeiter und Bauern. Alles in Allem ebenfalls kein verheißungsvoller Ausblick für den europäischen Proletarier bzw. deutschen Hartz4 Empfänger.
Seit dem Verbot der KPD in der BRD 1956 wegen Verfassungsfeindlichkeit bestand das Bild dass sich der westdeutschen Bevölkerung vom Kommunismus bot hauptsächlich aus DDR/SED, in den 70er und 80er Jahren aus Rote Armee Fraktion und später aus der militanten, autonomen Szene. Nicht zu vergessen die zahlreichen linken Gruppen der Studentenbewegung ab 1968, bestehend aus Maoisten, Trotzkisten und sonstigen haupt- und nebenberuflichen Weltverbesserern und Revolutionären.
Jürgen Trittin, Joschka Fischer, Ulla Schmidt (heute Gesundheitsministerin der SPD), Antje Vollmer (bis 2005 Bundestagsvizepräsidentin, bei den Grünen) und auch der zur NPD konvertierte Horst Mahler sind einige prominente Beispiele aus dieser Generation.
Seit der Wiedervereinigung und jetzt nach dem Zusammenschluss von PDS und WASG sitzt wieder eine sozialistische Partei im Bundestag. In anderen europäischen Ländern wie z.B. Italien oder Frankreich waren Kommunisten immer und sind bis heute in den Parlamenten vertreten.
Auf der rechten Seite sind bekannte Beispiele unter anderem Jörg Haider in Österreich, Le Pen in Frankreich, die Dänische Volkspartei in Dänemark, der Vlams Blok in Belgien, oder die leibliche Enkelin des Duce, Alessandra Mussolini, die für die Movimento Sociale Italiano im italienischen Parlament sitzt.
In der NPD überwiegt in der öffentlichen Wahrnehmung die Strömung der Alt- und Neonazis.
Wobei man nicht vergessen darf dass die NPD auch aus starken NationalDEMOKRATISCHEN/nationalkonservativen (DNVP) und NationalLIBERALEN Strömungen besteht, nationalliberale Politiker aus der FDP, der früheren DVP (Gustav Stresemann), waren an der Gründung der NPD beteiligt.
Die Tatsache dass die Zahl der Nationalstaaten in Europa und in anderen Erdteilen seit 1990 stark gestiegen ist, Tschechien-Slowakei, Baltikum, Jugoslawien, ist ein Beweis dafür dass die nationale Idee keinesfalls an Anziehungskraft verloren hat. Im Gegenteil, im Hinblick auf die multikulturellen Gesellschaftsentwürfe ist eine starke Desillusionierung eingetreten.
Man denke nur an die Rassenunruhen in New Orleans nach dem Hurrican als die amerikanischen Sicherheitskräfte vollständig die Kontrolle über die Situation verloren und die Lage Ähnlichkeit mit Zuständen im Kongo bekam. Die Bomben in Madrid und London, die Morde und Unruhen in den Niederlanden, die Aufstände in Frankreich, die Straßenschlachten zwischen Arabern und Australiern in Australien.
Vor allem der Islam kennt keine multikulturelle Ordnung. Was der Islam unter Gesellschaft versteht sieht man z.B. an diesem Ausschnitt aus dem Programm der Hamas:
[i00][b00]Die Hamas akzeptiert andere Religionen in der Region nur unter den "Fittichen des Islam". Nur unter ihm könnten die "Anhänger anderer Religionen sicher und unter dem Schutz von Lebensart, Eigentum und Rechten leben". Ohne den Islam komme Uneinigkeit auf und gedeihten Ungerechtigkeit und Korruption (Art. 6). In Artikel 31 heißt es daher: Nur unter den Fittichen des Islam bekommen Recht und Ordnung die Oberhand.[/b00][/i00]
Was man auch heute schon sehen kann, z.B. in Hamburg wo Homosexuelle in der Umgebung einer Moschee bedroht und verfolgt werden.
Man mag sich kaum ausmahlen wie Christian Ströbele und Claudia Roth eines Tages die Werte einer multikulturellen „Bunten Republik“, im Häuserkampf mit der Kalaschnikow gegen Hisbollah, Hamas und Fatah verteidigen werden.
Altkanzler Helmut Schmidt (SPD) sagte in einem Interview 2004 zu diesem Thema:
[i00][b00]Mit einer demokratischen Gesellschaft ist das Konzept von Multikulti schwer vereinbar. Vielleicht auf ganz lange Sicht. Aber wenn man fragt, wo denn multikulturelle Gesellschaften bislang funktioniert haben, kommt man sehr schnell zum Ergebnis, daß sie nur dort friedlich funktionieren, wo es einen starken Obrigkeitsstaat gibt. Insofern war es ein Fehler, daß wir zu Beginn der 60er Jahre Gastarbeiter aus fremden Kulturen ins Land holten.[/b00][/i00]
Die Linken träumen davon dass mit der Aufhebung der Klassengegensätze ebenfalls die kulturellen, nationalen und religiösen Gegensätze überflüssig und gleichfalls vergessen werden.
Die Rechten sind teilweise gespalten zwischen der geforderten Integration der in Deutschland lebenden Ausländer in die deutsche Leitkultur, wie es die CDU fordert, und der Ablehnung von Zuwanderung und Integration und der Betonung der jeweiligen kulturellen und nationalen Wurzeln wie es z.B. die NPD fordert. Die NPD fordert im Zuge dessen auch die Wiedereinführung des auf Abstammung basierenden Gesetz zur Deutschen Staatsangehörigkeit wie es bis zur Reform im Jahr 2000 (!) Bestand hatte.
Eine deutsche Staatsbürgerschaft besteht übrigens erst seit 1913, zuvor gab es nur eine Preußische-, Württembergische, Bayrische, Sächsische... Staatsbürgerschaft.
Viele Rechte lehnen somit Zuwanderung ab und favorisieren das Modell wie es z.B. von Thailand, Japan, den arabischen Golfstaaten und vielen anderen Staaten praktiziert wird.
Das bedeutet, benötigte Arbeitskräfte können angeworben werden, sofern ein Bedarf besteht und die gestellte Aufgabe nicht von einem Einheimischen bewerkstelligt werden kann, die Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis wird aber immer nur auf einen Zeitraum befristet erteilt, z.B. 1 Jahr. Sollte nach Ablauf dieses Zeitraums kein Bedarf mehr an der Arbeitskraft der ausländischen Staatsangehörigen bestehen so verfällt auch die Aufenthaltserlaubnis.
Z.B. in Thailand wird eine Arbeitserlaubnis an einen Ausländer nur erteilt wenn pro Ausländer gleichzeitig eine gewisse Anzahl thailändischer Arbeitskräfte im Unternehmen beschäftigt sind. Oder bei einer ausländischen Firmengründung in Thailand muss eine gewisse Summe an Firmenkapital vorgewiesen werden. Sozialhilfe, Kindergeld und ähnliches für Ausländer ist außerhalb Mitteleuropas unbekannt, die Idee erscheint dort sogar absurd und ruft nur Kopfschütteln hervor.
Ein Thema bei dem man auch immer wieder rechte und linke Gegensätze erkennen kann ist das Thema Familie und Kindererziehung. Wie jetzt aktuell bei der Frage der Kinderkrippen.
Die Linken sehen in der Familie tendenziell den Ort der Reaktion dessen patriarchale Strukturen zerstört werden müssen um den neuen sozialistischen Menschen zu schaffen. Darauf zielte ja auch die Kommune 1, von Rainer Langhans ab. Deshalb besteht auch diese große Sympathie vieler Linker zu den Kinderkrippen, um die Kinder möglichst früh aus der familiären Obhut zu entnehmen und in das Kollektiv einzufügen. Wohingegen die Rechten eher die Rolle der traditionellen Familie betonen.
Da in den westlichen Gesellschaften die emanzipierten, selbstverwirklichenden Frauen im Schnitt 1,5 Kinder zur Welt bringen, während in islamischen oder anderen konservativ, patriarchalisch organisierten Gesellschaften Frauen ein Mehrfaches der Kinder ihrer westlichen Geschlechtsgenossinnen gebären, kann man sich die Zukunft beider Gesellschaftsformen mathematisch ausrechnen.
Im Vergleich zu blühenden, konservativen Familienentwürfen ist die westliche Gesellschaft ein welkendes Gewächs.
Gegen Naturgesetze helfen keine Visionen.
Einige islamische oder auch afrikanische Staaten verdoppeln oder verdreifachen ihre Bevölkerung in den kommenden 30 Jahren, wie sie es auch in den vergangenen 30 Jahren bereits getan haben. Diese katastrophale demographische Entwicklung in Verbindung mit Umweltzerstörung und Klimawandel wird zu Wanderungsbewegungen und immensem Bevölkerungsdruck auf noch nicht zerstörte Lebensräume führen. Die kommenden Kriege werden immer öfter um Wasser, Nahrung und Lebensraum geführt werden.
Was das auch im Hinblick auf Zuwanderung und Asylrecht in Europa bedeutet, kann sich jeder selbst ausmahlen. Europa wird entweder seinen Lebensraum durch Grenzen und mit allen Mitteln schützen, oder untergehen.
Wie bereits gesagt bestehen planwirtschaftliche Entwürfe auf rechter, wie auf linker Seite.
Wobei auf rechter Seite die Position welche eine marktwirtschaftliche Ordnung, jedoch unter Primat der Politik und in gewissem Maß gelenkt durch den Staat, befürwortet bei weitem überwiegt.
Wobei man sagen muss dass auch bei Sozialisten dieses Modell heutzutage überwiegt. Abgesehen von einigen ideologischen Amokläufern wie z.B. Sahra Wagenknecht bei der „Kommunistischen Plattform“ der PDS, welche immer noch Stalinismus und Kommandowirtschaft verherrlicht.
Ich kann mich nicht mehr an den Namen erinnern, aber hat nicht letztes Jahr ein Wissenschaftler in einer Studie belegt dass es der Bevölkerung überall in den Staaten am besten geht in denen soziale Gleichheit und Ungleichheit sich in einem gewissen ausgeglichen Verhältnis halten?
Also in Staaten mit zuviel realer oder angestrebter Gleichheit wäre die Situation beschissen ebenso wie in Staaten mit zuwenig sozialer Gleichheit und Chancen.
Das wäre ein Argument für unsere soziale Marktwirtschaft.
Immerhin wird in Mitteleuropa jeder mit Wohnung, Nahrung, Kleidung, Ausbildung und Medizin versorgt, auch wenn er nicht selbst dafür aufkommen kann.
Was will man mehr verlangen? Das ist mehr soziale Sicherheit als 95% der Weltbevölkerung für sich beanspruchen kann und im Vergleich ist ein Hartz4 Empfänger von heute auf dem gleichen, wirtschaftlichen Level wie ein Arbeiter in der BRD in den frühen 50er Jahren.
Finnland wäre evtl. ein geeignetes Modell um davon zu lernen. Finnland nimmt in internationalen Statistiken in allen Kategorien den Spitzenplatz ein, was Korruption, Ausbildung, innerer und äußerer Friede und medizinische Versorgung betrifft.
Zum Abschluss noch ein Zitat von Peter Scholl-Latour, über die Welt nach dem 11. Sept. 2001:
[i00][b00]"Das ist das Ende der verdammten Spaßgesellschaft. Die Vorstellung, dass die Welt gut und alle Menschen lieb sind, die ist endlich wieder zurechtgerückt worden.“ [/b00][/i00]
MfG
Zinth